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Gemeinsam Kirche für die Menschen nördlich des Kanals: Altenholz - Holtenau - Pries-Friedrichsort - Schilksee-Strande

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Holtenau

Wenn das Verstehen beginnt

14.12.2021 | Eigentlich kann man mal wieder alles nur falsch machen: Kirchen, die für ihre Gottesdienste die 2G-Regel anwenden, werden sich die Vorwürfe derer gefallen lassen müssen, die sich als Ungeimpfte ausgeschlossen fühlen. Gemeinden, die sich auf Abstand und Maske beschränken, werden erleben, dass insbesondere viele ältere Menschen den Gottesdiensten fernbleiben; die Angst vor einer Ansteckung ist gerade bei ihnen besonders groß.

Wie auch immer die Kirchengemeinderäte vor Ort entschieden: Sie werden jemanden ausschließen. Gerade angesichts des Weihnachtsfestes ist das besonders schmerzhaft. Und es spitzt sich angesichts der schwierigen Abwägung, die jeweils vor Ort in großer Verantwortung getroffen wird, ein altes menschliches Dilemma zu: Jede Entscheidung hat ihren Preis. Wer das eine wählt, schließt anderes aus. Es gibt kein Entrinnen. 

In vielen lutherischen Gemeinden werden am 3. Advent Zeilen des Paulus gelesen. Auch er wurde für den von ihm eingeschlagenen Weg scharf angegriffen und verurteilt. So schreibt er der Gemeinde in Korinth von seiner adventlichen Erwartung: Eines Tages werde Gott kommen und die Motive ans Licht bringen, aus denen Menschen gehandelt haben. Dann geht es nicht mehr darum, Urteile über einander zu sprechen, sondern einander zu verstehen. 

Das ist ein wichtiger Impuls für den Advent in diesem zweiten Corona-Jahr: Wer die Erwartung des Paulus teilt, spürt, wie sich dadurch etwas verändert. Statt die anderen zu verurteilen, weil sie vermeintlich zu rigide Hygienemaßnahmen durchführen oder eine Impfung für sich ablehnen, können wir einander nach den Motiven befragen. Genau hinhören. Nicht urteilen. Nur verstehen. So beginnt etwas Neues.

Jens Voß