SCHLIESSEN

Nordkanalregion

Gemeinsam Kirche für die Menschen nördlich des Kanals: Altenholz - Holtenau - Pries-Friedrichsort - Schilksee-Strande

Suche

Region

Pastorinnen der Zukunft

04.10.2022 | Mit Anika Beeck und Rebecca Schoppe sind in der Nordkanalregion gleich zwei angehende Pastorinnen in der Ausbildung. Vikariatsort von Anika Beeck ist in Altenholz. Nach dem ersten halben Jahr in der Schule sammelt sie nun unter Anleitung von Okke Breckling-Jensen Erfahrungen in der Kirchengemeinde. Rebecca Schoppe wird ihre Gemeindephase in Holtenau unter der Anleitung von Jens Voß im März beginnen. Zunächst absolviert sie das Schulvikariat an der Fritz-Reuter-Schule in Pries-Friedrichsort Diakonin Linda Schiffling hat die beiden Vikarinnen interviewt.

Von links: Rebecca Schoppe, Linda Schiffling, Anika Beeck

Rebecca, du startest bald in den Alltag als Vikarin. Wie stellst du ihn dir vor?

Rebecca: Richtig bunt, voll, aufregend und herausfordernd. Insgesamt eine tolle Zeit. Weil ich ganz viele neue Menschen kennen lernen darf, die wahrscheinlich Lust auf Kirche haben. 

Und bei dir Anika, gibt es einen Vikariatsalltag und wie sieht der momentan aus?

Anika: Noch gibt es den. Ich gehe morgens zur Schule, zwei Tage in der Woche. Ich bereite meine Unterrichtsstunden vor und kann das alles zwischen Montags und Freitags schaffen. Seit den Sommerferien habe ich mit Okke in der Gemeinde was gemacht und hab schon Geburtstagsbesuche im Kalender stehen. Da merke ich schon, das häuft sich. Im Oktober habe ich viele Nachmittagstermine. Und dann morgens Schule. Das wird mehr und vielfältiger.  

Gibt’s etwas, worauf ihr euch am meisten freut, wenn es aus der Schule raus geht in die Gemeinde?

Anika: Ja, ganz viele verschiedene Menschen kennen lernen. Jetzt habe ich „nur“ Schüler*innen und das Kollegium. Das man zwischen verschiedenen Altersschichten und Generationen switcht, darauf freue ich mich. Und ich freu mich auf meine erste Trauung, die erste Beerdigung, Gottesdienst. So die ersten großen Steps zu machen. 

Rebecca: Das könnte ich so unterschreiben. Ich freu mich auf die Menschen, die ich  bei Trauungen oder Beerdigungen ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten darf. 

Welche Erfahrungen in Kirche habt ihr gemacht, dass ihr Pastorin werden wollt?

Anika: Ich hab Theologie studiert aus dem Bauch heraus. Ich wusste nicht, was ich damit wollte. Fand es spannend. Und ab dem zweiten Semester hab ich gesagt: Da möchte ich dran bleiben. Ich bin nach wie vor unsicher, ob ich wirklich Pastorin werden möchte. Ich nutze das Vikariat um herauszufinden, was ich will.  

Rebecca: Ich bin vorbelastet. Mein Papa ist Pastor. Dadurch war früh der Wunsch da, Theologie zu studieren und Pastorin zu werden. Weil ich das bei meinem Papa als unglaublich schön wahrgenommen habe. Menschen bei essentiellen Fragen zu begleiten, das fand ich beeindruckend. Aber ich bin erst Logopädin geworden und liebe diesen Beruf. Jetzt bin ich sehr glücklich darüber, dass ich. Doch noch Theologie studiert habe. 

Welche Herausforderungen erwartet ihr im Vikariat?

Rebecca: Ich bin Mutter von einer wundervollen kleinen Tochter, die zweieinhalb Jahre alt ist und ich merke, dass die Rolle des Mutter-Seins das ist, was mich erfüllt und mich packt. Da will ich viel Energie rein stecken. Und gleichzeitig will ich eine gute Vikarin werden und viel mitnehmen für meinen späteren Beruf. Das könnte eine unglaubliche Herausforderung werden. Immer wieder diese Waage zu halten. Davor habe ich richtig Respekt. 

Anika: Ich hatte schon vorher die Befürchtung und durfte schon merken, dass ich, grade weil ich nicht kirchlich sozialisiert aufgewachsen bin, Einiges gar nicht kenne. Zum Beispiel Liturgik. Ich schwitze davor, wenn es los geht. Aber da bin ich in Altenholz super aufgehoben. Da merke ich , dass die Gemeinde zu mir passt. Dass ich da nicht so wirklich viel die Bedenken haben muss und die Angst mir genommen wird. Weil die Hürde nicht so groß ist, wie jetzt vielleicht in einer sehr traditionellen Gemeinde. Und ich werde auch von meinem Anleiter aufgenommen und aufgefangen. 

Du hast schon zwei Gottesdienste gefeiert in unserer Gemeinde im Eivind-Berggrav-Zentrum?

Anika: Das war schön. (lacht) Auch im Kirchraum . Wo ich erst dachte „Oh, der ist so düster.“. Aber vom Altar aus, finde ich ihn wunderschön. Gerade durch das Licht, da fühle ich mich heimisch. Auch der Liturgieteil, der mir solche Angst gemacht hat, lief dann. 

Gibt es besondere Herausforderungen aus eurer Sicht mit denen Kirche momentan zu tun hat?

Anika: Ich würde sagen die Standardthemen, die jeder kennt mit Kirchenaustritten, es wird immer weniger. Immer Weniger, die bereit sind ein Ehrenamt zu übernehmen. Ich glaub das sind große Faktoren. 

Rebecca: Ich höre vermehrt, dass Leute sagen “Ich glaube, aber ich brauch keine Kirche dafür.“. Frömmigkeit wird sehr individuell und persönlicher gelebt. Aber man braucht Kirche nicht mehr für seinen Glauben. Das finde ich spannend. 

Meiner Meinung nach fehlt es der Kirche mitunter an einer offenen Willkommenskultur. So offen, wie wir uns oft fühlen, sind wir gar nicht. Ich habe gerade von einer Gemeinde gehört, in der eine Gruppe neue Teilnehmende auf Grund sprachlicher Barrieren ausgeschlossen hat. Für mich war es schockierend zu hören, denn das ist die Kirche, die ich nicht haben möchte.

Anika: Vielen ist es einfach fremd, was hier passiert. Ich kann aus meiner Erfahrung heraus sprechen. Wir müssen ab und zu mal einen Gang zurück schalten und aus dieser Bubble raus kommen und erstmal erzählen und erklären, was machen wir hier eigentlich. Wofür sind wir hier. 

In die andere Richtung gefragt: Welche Hoffnung und Chancen hat Kirche denn momentan?

Rebecca: Wenn man sich das Weltgeschehen gerade anguckt, dann denke ich: Wir haben eine tolle Botschaft. Wir sehen Russland mit dem Herrn Putin, der denkt er kann sich einfach nehmen, was er will. Wir sehen unseren Umgang mit dem Klima, obwohl wir mittlerweile wissen, dass es auf dunkelrot steht. Das sind Sachen, wo ich mich frage, ist es nicht eine tolle Botschaft zu sagen: „Das gehört nicht uns. Diese Welt und auch wir sind nicht Herr über das Leben oder über den Tod. Wir sind abhängig, meiner Meinung nach von Gott. Wir haben diese Welt nicht selbst geschaffen. Wir  haben schon was zu sagen und eine tolle Botschaft. 

Anika: Ich kann mich nur anschließen. Ich glaub, wir haben schon ein gutes Fundament. Nur, dass es ein bisschen verstaubt. Wir müssten das frei fegen und was gutes daraus machen. Also, etwas Realitätsnahes mit den Menschen. 

Was ist Euer Bild von einer Kirche der Zukunft?  

Rebecca: Ich stelle mir vor, dass wir mit einer gewissen Spezialisierung weiterkommen würden. Wir versuchen alle Altersgruppen aller Couleur abzudecken. Das schafft niemand. Es führt letztlich dazu, dass wir alle unzufrieden sind. Weil niemand das macht, wofür das Herz brennt.  

Anika: Wir müssen den Schritt zu den Menschen machen. Was brauchen die eigentlich? Im Studium habe ich das Projekt Kirche 2030 mitgemacht. Kirchengemeinden haben teils große Flächen. In Neumünster in einer Gemeinde öffnen sie ihre Gärten für Alle. Jeder darf da was säen und pflanzen. Und das sind so kleine Projekte. Die vor Ort sind. 

3 Eigenschaften…

… von Anika: bodenständig, relativ ruhig, offen

… von Rebecca: offen, vielseitig interessiert, leicht chaotisch

Lieblingsort…

… von Anika ist irgendwo an der Küste. Das hat sie gelernt, als sie in Bayern war. 

… von Rebecca ist dort, wo Familie und Freunde sind, denn das ist ihr zu Hause. 

Einen idealen Tag … 

… würde Anika im Schrebergarten verbringen. Angefangen mit Rührei und Schinkenwürfel aus der gusseisernen Pfanne direkt vom Feuer, über Unkraut jäten, bis hin zum Ernten von Kürbis, Tomaten und Gurken am Nachmittag. Nachdem sie sich daraus etwas zu Essen gemacht hat, fährt sie nach hause und geht warm duschen. 

… würde Rebecca auf dem Rad und mit der Familie verbringen. Nach einer Radtour ginge es zum Mittag Selbstgekochtes „von Mutti“ essen. Perfekt mit der ganzen Großfamilie.

Vielen Dank für das Gespräch!