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Altenholz

Jüdischer Kulturabend 2021

02.03.2021 | Du sollst nicht gleichgültig sein.“ – „Das elfte Gebot“.
(Marian Turski zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz)

Es war das Jahr 321, in dem die erste jüdische Gemeinde auf deutschem Boden verbrieft wurde – in Köln.

1700 Jahre leben Juden und Christen nun gemeinsam hier und doch immer wieder getrennt durch Hass und Pogrom. Als im Jahr 1347 in Europa die Pest ausbricht und ein Drittel der Bevölkerung grausam stirbt, werden, wie schon in den Jahrhunderten davor, Juden als ‚Brunnenvergifter‘ gejagt und ermordet. Häufig wurden sie auch umgebracht, um sich von Schulden bei ihnen zu entledigen oder ihres Vermögens habhaft zu werden. 

Die Geschichte der Juden ist auch die Geschichte des Antisemitismus, von unsäglichen Leiden und Demütigungen, von Willkür, Vertreibung und Tod. Aber immer wieder auch die Geschichte eines harmonischen Zusammenlebens und gelebter Toleranz.

Natürlich ist es einfach, mit Gleichgesinnten, in gleicher Sprache, mit gleichem kulturellen und religiösen Hintergrund zu verkehren. Die Toleranz anderen Lebens- und Kulturformen gegenüber ist keine Selbstverständlichkeit und fordert Kraft, Diskussion und eine innere Bereitschaft Unterschiede auch stehen lassen zu können. Und sie erfordert Erinnerung an das, was aus Intoleranz werden kann: Ausgrenzung bis hin zum Mord.

Wir gedenken Ende Januar der Zeit der Befreiung von einem System mörderischen Ausgrenzung in der Zeit des Nationalsozialismus – wir gedenken der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. 

Dieser Hintergrund ist wichtig auch wenn er Jahr für Jahr länger zurückliegt und ‚historischer’ wird. Und dabei bleibt das dahinterliegende Menschenbild so aktuell – tagesaktuell! 

Das ‚anders sein’ von Menschen als Grund für Ausgrenzung zu nehmen, ist eine gefährliche Denkungsart, ob auf Grund der Hautfarbe, der Religion, der Partei- oder Klassenzugehörigkeit. Gefährlich zuerst für die Ausgegrenzten, aber sehr schnell auch gefährlich für das Ganze; die gewalttätige Komponente ist unberechenbar und erfasst schnell alles, was ‚anders’ ist.

Gefährlich, weil jeder von uns ‚Anders’ ist, jeder hat seine ganz eigene Genetik, seine tradierten Schwächen und Stärken. Diese Einmaligkeit hochzuhalten und das Gott-Gewollte darin zusehen, dass ist zentrale Botschaft der Religion. Nur so ist unser gemeinsames Ziel, der Frieden, Shalom, Salam zu erreichen – nur so!

Denn nur wer innerhalb der Gemeinschaft das ‚Anders-Sein‘ und die Interessen und das Streben nach Glück der Mitmenschen sehen und respektieren kann, der kann es auch auf bei den Menschen andere Staaten.

Unser Gedenken war in den vergangenen Jahren mit einer Abendveranstaltung verbunden – dem „Jüdischen Kulturabend“. Natürlich hatten wir auch für dieses Jahr einen solchen Abend geplant. „Zwischen Leid und Lust und Lobgesang“ wäre der Titel gewesen, mit Klavierkompositionen jüdischer Komponisten aus Deutschland. Nun hat die Friedensgruppe der Kirchengemeinde Altenholz, die Gemeinde Altenholz und die Förde-vhs diesen alljährlichen Abend Corona-bedingt ausfallen lassen müssen.

Nicht ausgefallen ist jedoch der Anlass dieses nationalen Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar.

„Dass Auschwitz nicht noch einmal sei“ – Diesem Motto des Auschwitz-Komitees schließen wir uns an und auf diese Veranstaltungsdokumentation möchten wir Sie gerne hinweisen. Das Auschwitz-Komitee hat am Sonntag, 24. Januar 2021, im Rahmen einer ONLINE-Veranstaltung den Toten und Überlebenden von Auschwitz gedacht. Sie können die Veranstaltung weiter ansehen unter www.auschwitz-komitee.de/januar2021/

Es waren beteiligt:

Esther Bejarano, Überlebende der KZ Auschwitz und Ravensbrück

Éva Fahidi-Pusztai, Überlebende der KZ Auschwitz und Buchenwald

Eva Stocker, Budapest und Bern, Regisseurin

Sylvia Wempner, Schauspielerin

Rolf Becker, Schauspieler und Gewerkschafter

Mit Lesungen von Sylvia Wempner und Rolf Becker und Ausschnitten aus der Dokumentarfilm-Trilogie „Das zweite Leben“. 

„Die letzten 10 Tage“ aus dem Buch „Ist das ein Mensch?“ von Primo Levi (1919 – 1987) werden u.a. von Rolf Becker in sehr eindringlicher Weise vorgelesen (ab 43. Minute).

Wer sich erinnert, kann nicht gleichgültig sein.

Und nächstes Jahr – so es verantwortbar sein wird: 

wieder mit einem „Jüdischen Kulturabend“ in Altenholz!

Für die Friedensgruppe der Kirchengemeinde Altenholz, die Gemeinde Altenholz und die Förde-vhs: Dr. Andreas Zeddel