SCHLIESSEN

Nordkanalregion

Gemeinsam Kirche für die Menschen nördlich des Kanals: Altenholz - Holtenau - Pries-Friedrichsort - Schilksee-Strande

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Altenholz ist ein wunderschöner Wohnort vor den Toren Kiels. Hier leben fast 10 000 Menschen ganz nah an der Ostsee mit einem herrlichen Hinterland. Davon sind zur Zeit (Stand November 2013) 4700 evangelische Gemeindeglieder.

Sollte man eine Charakterisierung unserer Kirchengemeinde wagen, dann könnte sie etwa so aussehen: offen, liberal, einladend, sozialethisch engagiert, in der LIEBE GOTTES zu den Menschen verwurzelt, profiliert …

Aber jeder Versuch einer Charakterisierung hinkt der Wirklichkeit hinterher. Deswegen sind Sie eingeladen, sich Ihr eigenes Bild zu machen. Hier auf der Internetseite wollen wir Ihnen lediglich die „Tür“ zu unserem Gemeindeleben öffnen. Kommen Sie und besuchen Sie uns!

Dirk Große, Pastor und Vorsitzender des Kirchengemeinderates

 

 

Eivind Berggrav

Eivind Berggrav, 1884 – 1959, Norwegischer Bischof

Eivind Berggrav studierte in Schweden, Deutschland und England Theologie. Nach Jahren, in denen er daran zweifelte, ob er zum Seelsorger berufen sei, übernahm er sein erstes Landpfarramt in Hurdal; danach war er als Gefängnispfarrer in Oslo tätig. Psychologische Studien brachten ihm den theologischen Doktorgrad. Sein erstes größeres Wirkungsfeld betrat er, als er 1929 zum Bischof des nördlichsten Bistums der Welt, im Stift Tromso berufen wurde. Bei Visitationen bereiste er 1929 – 1937 sein Bistum Halogaland nördlich des Polarkreises: den Bezirk Finmark, die Eismeerküste, Spitzbergen und die Lofoten. Seine nachhaltigen Eindrücke aus diesen Jahren schildert Berggrav in einem seiner Bücher „Land der Spannungen“.

Im Jahr 1937 wurde Eivind Berggrav als Bischof von Oslo Primas der Lutherischen Kirche Norwegens. 1939 setzte er sich dafür ein, eine Ausweitung des Krieges zu verhindern. Als Norwegen 1940 von den deutschen Truppen besetzt wurde, war er das Haupt des Widerstands im norwegischen Kirchenkampf gegen den Nationalsozialismus. Nach der programmatischen Erklärung „Kirkens Grund“ wurde er verhaftet und drei Jahre gefangen gehalten. Obwohl er durch Einzelhaft von der Außenwelt abgeschnitten war, erfuhr er gerade damals, dass die Verbundenheit mit der Weltchristenheit durch keine äußere Gewalt zerstört werden konnte.

Als „Apostel der Versöhnung“ kam Berggrav nach Kriegsende – trotz allem, was ihm die deutsche Besatzungsmacht angetan hatte – den deutschen Teilnehmern der internationales Tagungen der Bibelgesellschaften und des lutherischen Weltbundes in herzlicher Weise entgegen.

Sein Amt als Primas von Norwegen legte Berggrav 1950 aus gesundheitlichen Gründen nieder. Er blieb aber Mitglied im Präsidium des Ökumenischen Rates der Kirchen bis 1954 und wirkte hingebungsvoll und unermüdlich an der Aufgabe, Vertrauen und Einmütigkeit unter den Kirchen der Welt zu schaffen. Neben vielen anderen Ehrungen wurde ihm auch der Goethepreis der Stadt Hamburg verliehen.

Seine Bedeutung als „eine der wenigen ganz großen Gestalten der jüngsten Kirchengeschichte“ wie ihn Bischof Lilje bezeichnete, war der Beweggrund für den Entschluss, unserem Gemeindezentrum bei seiner Einweihung 1969 den Namen Eivind-Berggrav-Zentrum zu geben.

 

 

Entstehung der Kirchengemeinde

Durch die Auflösung der Gutsbezirke und Änderung der politischen Gemeinden verlief die Sprengel-Grenze (merkwürdigerweise identisch mit der Wasser-Scheide) quer durch das Gebiet der politischen Gemeinde Altenholz: Stift, Knoop, Projensdorf, Friedrichshof, Hof Leesen, sowie der Bezirk Grasweg, Am Dehnberg, Kubitzberger Weg und Teile der Klausdorfer Straße gehörten zu Holtenau, der größere nord-östliche Teil von Klausdorf mit Dehnhöft, Postkamp und Dreilinden zu Dänischenhagen.

Der erste vorläufige Seelsorger in Stift war seit Juli 1961 der Prediger Michael Klimkeit. Er stammte aus der Gemeinschaftsbewegung Ostpreußens und war seit 1951 Lagerseelsorger in Friedrichsort. Er versah sein Amt von 1961 – 1967 unter sehr schwierigen äußeren Umständen. Für die Gottesdienste, Andachten und den Konfirmandenunterricht standen zunächst das Dachgeschoss eines alten Stallgebäudes am Waldwinkel und dann die Garage des Baurates Krecht im Waldwinkel 10, danach die von Bürgern neu errichtete Schulbaracke der Gemeinde Altenholz an der Posener Straße zur Verfügung. 1963 wurde durch Vermittlung des damaligen Ministerpräsidenten von Hassel ein Raum im Herrenhaus benutzt. Hier konnten bis Ende 1966 die Gottesdienste abgehalten werden, während für alle übrigen Veranstaltungen wie Jugendgruppen, Konfirmandenunterricht, Frauenhilfe, Männerkreis usw. weiterhin die Schulbaracke zur Verfügung stand. Hier wurde auch am 1. Oktober 1963 der neugegründete Ev. Kindergarten Altenholz-Stift eröffnet und verblieb bis zum Einzug in den heutigen Kindergarten Stifter Allee 4 im August 1965.

Bei der Änderung der B-Pläne in Stift durch den Städtebauarchitekten Gall aus München wurden auf Vorschlag der politischen Gemeinde in Abstimmung mit der Kirchengemeinde Holtenau, zu der der Seelsorgerbezirk Stift gehörte, die jetzigen Standorte für die Kirche und das Pastorat ausgewählt. Durch Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister und Pastor Richter konnte das Kirchenzentrum geschaffen werden. So überließ die politische Gemeinde der Kirche das ca. 8000 qm große Grundstück, während die Kirche die Erschließungskosten übernahm. 40.000,– DM wurden von der Landeskirche als Darlehen zur Verfügung gestellt. Das Pastorat wurde im Oktober 1964 fertiggestellt, der Kindergarten 1965. Im Nordflügel des Kindergartengebäudes wurde ein Raum für die Gemeindepflegestation zur Verfügung gestellt, die damals von der Gemeindeschwester Betty Huth betreut wurde. Im April 1964 wurde eine Pfarrstelle errichtet. Der aus Eisenach stammende Pastor Günter Göring wurde gewählt und am 4. Oktober 1964 im Herrenhaus in sein Amt eingeführt.

Das im Herrenhaus untergebrachte Meeresgeologische Institut der Universität hatte schon im Herbst 1966 darum gebeten, dass die Kirchengemeinde nach einem anderen geeigneten Raum für die Gottesdienste Ausschau halten möge. Zufällig stand damals der inzwischen zu einem Verkaufsraum umgebaute Teil des ehemaligen Kuhstalles des Bauern Damlos leer. Er wurde angemietet, in nur 10 Tagen umgebaut und bereits am 8. Januar 1967 fertig. Mit seinen 150 bis 180 Plätzen war er für die nächsten zwei Jahre das Zentrum, in dem sich das kirchliche Leben mit Gottesdiensten, Kindergottesdiensten, Amtshandlungen, Versammlungen und Proben der im Mai 1966 gegründeten „Stifter Kantorei“ abspielte. Die Stifter Kantorei wurde von Rektor Winter ins Leben gerufen, der ab 1. Mai 1966 als Organist und Kantor tätig ist. Jedoch wurde bald deutlich, dass auch der Kirchsaal sehr schnell zu klein sein würde, so dass man nun energisch die Pläne für die Errichtung eines kirchlichen Zentrums vorantrieb. Vorher wurde die selbständige Kirchengemeinde Altenholz Stift gegründet und aus der Muttergemeinde Holtenau entlassen, die sich immer hilfsbereit für die Altenholz Bürger eingesetzt und hohe finanzielle Lasten auf sich genommen hatte. Am 1. Januar 1967 wurde der „Seelsorgebereich Stift“ als selbständige Kirchengemeinde gebildet. Der neue Kirchenvorstand entschied, den vorgelegten Entwurf des Architekten Klaus Hertzsch aus Altenholz zu verwirklichen. Am 8. Dezember 1967 wurde feierlich der Grundstein für den Bau des Kirchenzentrums gelegt, am 4.10.1968 das Richtfest gefeiert, und am 27. April 1969 wurde die Kirche mit dem ausdrucksvoll gestalteten Fenster von Ernst Günter Hansing und dem Altarrelief von Hanswaldemar Drews eingeweiht. Die politische Gemeinde hatte der Kirche das ebenfalls von E. G. Hansing für den Altar geschaffene Kreuz gestiftet. Die Festpredigt hielt P. Bonnevie-Svendsen, ehemaliger Kirchenminister der norwegischen Kirche. Das Kirchenzentrum trug den Namen „Eivind Berggrav Zentrum“ zur Erinnerung an den ehemaligen Bischof von Oslo, Eivind Berggrav (1884 – 1959), der in der Zeit der Besatzung durch deutsche Soldaten im 2. Weltkrieg zum norwegischen Widerstand gehörte. Das Motiv für diese Namensgebung war, die Verständigung zwischen den Nationen zu betonen.

Das Eivind Berggrav Zentrum wurde konzipiert als „offenes Haus für alle“. Kirchenraum und Veranstaltungsräume sind unter einen Dach zusammengefasst, Gottesdienst und „weltliches Leben“ sollten als gemeinschaftsbildend eng nebeneinander stehen. Die Kellerräume des EBZ sollten überwiegend für die Jugendarbeit zur Verfügung stehen, der in einem Neubaugebiet mit vielen Jugendlichen besonderes Gewicht zugemessen wurde. In den vielen Jahren ist seitdem das Eivind Berggrav Zentrum viel und vielfältig genutzt worden, nicht nur von kirchlichen Gruppen, sondern auch von Verbänden und Vereinen des Ortes sowie zu Familienfeiern und anderen Anlässen.

Politische und Kirchengemeinde waren sich einig und verfolgten auf vielen Wegen das gemeinsame Ziel, eine Kirchengemeinde Altenholz zu schaffen, die das ganze Gebiet der politischen Gemeinde umfasste. Die in schnellem Wachstum befindliche Bevölkerung sollte nicht nur politisch, sondern auch kirchlich eine Einheit bilden, um das Zusammenleben aller Bürger zu fördern. Mit dem 01.01.1975 lösten sich die Kirchengemeinde Altenholz Stift aus der Propstei Kiel und wurde mit den Einwohnern des Ortsteiles Klausdorf, die bis zu diesem Zeitpunkt noch zur Kirchengemeinde Dänischenhagen gehörten, zur „Kirchengemeinde Altenholz“ zusammengefasst, die seitdem zum Kirchenkreis Eckernförde gehört. 1974 zählte die Kirchengemeinde ca. 4.000 ev. Mitglieder, 1977 waren es schon 6.600 (z. Zt. sind es 5.000, Stand 2005). Anfang 1975 wurde eine zweite Pfarrstelle eingerichtet und am 1.12.1975 Pastor Uwe Schmidt berufen. Pastor Göring verließ Altenholz im März 1976, an seine Stelle trat nach längerer Vakanz zum 1. April 1977 Pastor Friedrich Hartmann.

Im Dezember 1975 wurde in Klausdorf das alte Bauernhaus von Horn angekauft und zum Pastorat umgebaut. Im September 1978 konnten die Räume des Gemeindehauses in Klausdorf eingeweiht werden. Heute dienen sie den verschiedensten Zwecken: Konfirmandenunterricht, Seniorenarbeit, Jugendgruppen, Vorträge und Versammlungen, gelegentliche Gottesdienste. Im Februar 1977 erweiterte die Kirche ihr soziales Angebot um die „Ev. Beratungsstelle für Erziehungs-, Familien- und Lebensprobleme“ in Stift. Die Beratungsstelle wird stark in Anspruch genommen. Ein großer Teil der kirchlichen Arbeit wird von ehrenamtlichen Kräften aus der Gemeinde getragen (siehe u.a. „Regelmäßige Veranstaltungen“). Seinen festen Platz im Gemeindeleben hat auch der Ev. Kindergarten in Stift mit zur Zeit (2004) 4 Gruppen, in denen auch integrativ gearbeitet wird.

Im Großen und Ganzen lässt sich sagen: Die Kirche hat in unserer Gemeinde ihren festen Platz gefunden; ihr breitgestreutes Angebot wird angenommen und genutzt.

Im Jahr 2009 feierte die Kirchengemeinde das 40 jährige Bestehen des Eivind Berggrav Zentrums.

(Dieser Text wurde mit einigen aktualisierten Veränderungen entnommen aus der Broschüre „Altenholzer Nachrichten – Altenholz 80″.)

Dirk Große

Förderkreis

Der Förderkreis hat das Ziel, unsere Kirchengemeinde mit Spenden finanziell zu unterstützen. Mehr Informationen über den Förderkreis finden Sie hier.